Es war
einmal ein Mann der hatte einen großen Pickel
am Hals, und jedes Mal wenn er diesen Pickel mit dem rechten
Zeigefinger der rechten Hand berührte, geschah etwas sonderbares.
So war es, das dieser junge Mann am Frühstück saß, seinen Früchtetee
trank, eine Brezel mit Butter bestrich, und die Zeitung las. Alles
gleichzeitig, ja gleichzeitig, denn er hatte zuvor während er sich
rasierte seinen großen Pickel mit dem rechten Zeigefinger der
rechten Hand berührt. "Bin ich nicht ein schöner Mann, bin ich nicht
ein schöner Mann," sagte er zu sich und nippte genüsslich an seiner
Teetasse, nahm einen kräftigen Bissen von seiner mit dick Butter
bestrichenen Brezel, und ärgerte sich über die neuen
Arbeitslosenzahlen die an diesem Morgen in der Tageszeitung
veröffentlicht wurden.
Alles gleichzeitig, ja gleichzeitig.
Etwa zur selben Zeit ein paar
Straßen entfernt machte sich Frau G. Herr Gedanken über Kinder die
misshandelt werden, und auch über Schwangerschaftsabbruch, beides,
so war ihre Meinung negative Wucherungen unserer Gesellschaft. Der
besagte Mann war eine große stattliche Person, ziemlich
genau zwei Meter und zwei Zentimeter groß. Er hatte Hände wie
Bratpfannen und lange Finger die Pinzetten glichen. Diese
stattlichen Dimensionen fielen auf wenn er einem entgegen kam, mit
schnellem Schritt auf der Straße, im Kaufhaus, oder am
Marktplatz. Natürlich auf dem Marktplatz in Freudenhausen.
Was, meinen Sie verehrter Leser Sie kennen diesen wichtigen Platz
der Gesellschaft nicht, Freudenhausen ist euch kein Begriff. Diesen
Umstand müssen wir berichtigen. Dieses Dorf, auch das Schwungrad der
Nation genannt, ist nicht weit entfernt von einer bedeutenden Stadt
in Deutschland, -jetzt alles klar auf der Andrea Doria. -Wir bedankt
uns bei Udo Lindenberg für das gleichnamige
Lied,- Ist der Groschen gefallen, dann sind wir
beruhigt. Wichtige politische Erneuerungen standen im Jahre der
Fliegenrevolte in Freudenhausen an. Und zwar wurde nach dieser
bedeutenden Dekade die Einsicht gewonnen das Lalach, wie
Freudenhausen gerne im Volksmund geheißen wird, auf einen
Bürgermeister verzichten kann. Ebenfalls wurde das Oberhaupt der
Dritten Säule im Staate für überflüßig erachtet, und das Wort Kaplan
nur noch im Geschichtsunterricht der Schulen sowie bei historischen
Rückblicken auf Lalach gewürdigt.
Freudenhausen ist ein Platz der Ruhe, der Zufriedenheit und der Zukunft.
Freya, so heißt unsere, nicht zu knapp mit weiblichen Reizen ausgestattete Bekanntschaft aus Lalach. Freya sagte immer, wer mit uns lebt hat auch im Monat November Sonne im Herzen, egal ob die Tage kurz, und das Wetter bescheiden, naß und kalt ist. Ansonsten ist hier alles gleich wie überall auf Erden, die Menschen wohnen in Häusern, und baden oder duschen zwei bis fünf- mal die Woche, außer an Mittwoch. An diesem Tag darf nicht gebadet oder geduscht werden. Warum an diesem Tag nicht der Säuberung des Bodys nachgekommen werden darf werde ich euch später erzählen. Um dies zu verstehen ist es jetzt noch zu früh. In dieses Geheimnisse von Freudenhausen kann ich Euch erst einweihen wenn Ihr die Reife des Miteinanders verstanden habt. Ihr könnt mir glauben spätestens dann werdet Ihr es erfahren, ich gebe euch darauf mein Indianer Ehrenwort. Die meisten Einwohner von Lalach haben neben ihrem Jahreskalender, noch einen Mondkalender. Der Mond, so sagt Onkel Wessi, ist der Freund des schlauen Menschen, denn der Mond ist schon alt und der Beschützer unserer Erde. Mit dieser Meinung ist er in Freudenhausen nicht allein, laut einer Umfrage, welche im Jahr vor der letzten Sonnenfinsternis gemacht wurde, waren achtundachtzig Prozent aller Einwohner von Freudenhausen der gleichen Meinung. Auch ist es wohl bekannt, das an den Tagen vor Vollmond nicht so viel gegessen werden darf. An diesen Tagen schlägt die Nahrung sehr stark am Körper an, und so manche Kur zur Gewichtsreduzierung, hat durch dieses Wissen zum Erfolg geführt. Der Friseurtermin wird von manchen Einwohnern nach dem Mondkalender ausgesucht, wenn der Mond abnimmt ist die beste Zeit die Haare zu schneiden ,sie wachsen danach viel kräftiger nach, und die Haarspitzen brechen nicht so leicht aus.
Onkel Wessi wohnt im
Hasengrund dies ist im ruhigeren Teil des Dorfes, er hat sich vor
fünf Jahren ein Holzhaus gebaut, er und seine Frau Wendi. Um das
Haus ist ein großzügiger Garten mit vielen Blumen. Er findet alle
Pflanzen die an die Sonne erinnern sind ein Muss im Garten . So sind
jede Menge an Sonnenblumen zu finden die immer kreisförmig
angeordnet sind. Das Bewässern des Gartens ist stets nach dem
Mondkalender zu erledigen, sagt Onkel Wessi. Wenn der Mond zunimmt
tut es den Pflanzen am besten gut. Während dieser Zeit steigt der
Saft in den Stengeln besser auf, meint er.
Das Austauschen von Informationen ist ein wichtiger Zeitvertreib in
Freudenhausen, zwischen jung und alt, auch Kind, Mann und Frau oder
in der Nachbarschaft. Diese sinnvolle Beschäftigung wird hier schon
seit Generationen bewusst gepflegt. Betritt eine Person ein
Gasthaus, so wird sich diese immer zu einem schon anwesenden Gast
setzen, und nie alleine an einen Tisch. Denn es bringt einem
Menschen Unglück, wenn er über längere Zeit alleine an einem Tische
sitzt. Darüber sind sich die Freudenhausener einig. Es sind
angenehme Geräusche welche an diesem Ort der Freundschaft zu hören
sind. Es kann schon mal recht lautstark werden, wenn sich zwei
Parteien gebildet haben und es darum geht den Gegenüber zu
überzeugen. Doch seit der Phase, der kritischen Weisheit, ist bei
alledem noch nie Blut geflossen oder hat sich gar Hass breit
gemacht.
Als ich das erste mal dieses Gasthaus betrat, - es war so um die
Zeit da sich die Innere Revolution der Menschen vollzogen hatte,
war mir sofort klar dies ist ein Platz der Zukunft. Dieses Ziel zu
verfolgen, welches diese kleine Schar Menschen sich auf ihre Fahne
geschrieben hatte, wollte ich mithelfen. Ein Thema das zu der Zeit
heiß diskutiert wurde war die Trennung von Ehepaaren kurz Scheidung
genannt. Egal ob Frau oder Mann jedes Geschlecht wollte die
Hintergründe für dieses Phänomen kennen lernen, denn es waren
immerhin über fünfzig Prozent der Verheirateten die sich zu der Zeit
zu einer Scheidung entschieden. Über 50 Prozent welch eine
dramatische Entwicklung.
Also so kam ich an einem 23.November in jenes Haus, und setzte mich
ohne Nachzudenken an den erst besten Tisch, an dem schon fünf
Personen waren. Sie nahmen keinerlei Notiz von mir denn sie waren
interessiert in ein Gespräch vertieft. Ich hörte ihnen zu. Der Mann
der mir gegenüber an der Stirnseite des Tisches weilte hatte das
Wort und sagte nachdenklich:" Ja, - wenn zwei Menschen zwanzig Jahre
zusammen leben, einen Hausstand gegründet, dazu noch Kinder haben,
und sich nach dieser langen Zeit nichts mehr zu sagen haben außer
den Worten, - lebe wohl, - ja, - kann man hier von Schuld oder
Unschuld der Partner sprechen." Darauf entgegnete ein etwas
angegrauter, ungefähr fünfundfünfzig Jahre alter Mann mit tiefer
Stimme:" Wenn es zu einer Scheidung kommt, sind wir Männer immer die
Dummen. Wir zahlen für die Kinder, und für die Frau. Ein Mann
braucht viel Unterstützung um sich nach einer Scheidung eine neue
Existenz aufzubauen. Deshalb bin ich der Meinung, einem Mann liegt
nicht viel an einer Scheidung, es sei denn er hat den zweiten Wind
gespürt und sich in eine attraktive Frau verliebt. In den meisten
Fällen ist die Frau die treibende Kraft welche die Scheidung
erzwingt, und der Mann zahlt und zahlt und zahlt." "Scheiß auf die
Weiber!" brüllte ein dritter, hob sein Glas, stand von seinem Platz
auf und ging in die Mitte des Raumes. Er fing an ein Lied zu singen.
Während er dieses Lied sang
klopfte er sich im Takte auf die Schenkel, sprang von einem auf das
andere Bein, und bewegte sich in musikalischer Eleganz um das
Stehpult welches zentral in der Mitte des Raumes stand.
Nachdem ich mich etwas an die neue Umgebung gewöhnt hatte sah ich
mir den Raum etwas genauer an. In der Mitte des Raumes war ein
freier Platz auf dem unser Sänger soeben sein Lied beendet hatte und
wieder an seinen Platz kam. Um diesen freien Platz verteilt waren
genau zehn Tische die alle exakt die selben Abmessungen hatten, und
alle gleich gedeckt waren. Jeder Tisch hatte sechs Sitzplätze es
waren 8 Tische besetzt. Der Tisch an dem ich mich aufhielt und
weitere sechs waren voll besetzt, an einem Tisch waren acht
Personen, zwei Sitzgelegenheiten waren zusätzlich an den Tisch
gestellt worden. Es ging die Türe auf und ein Mann und eine Frau
betraten den Raum, sie setzten sich an einen freien Tisch.
Unmittelbar danach standen vom überbesetzten Tisch eine Frau und ein
Mann auf nahmen ihren Stuhl und setzten sich zu den neuen Gästen
dazu. So waren an dem neu besetzten Tisch vier Plätze belegt, die
restlichen acht Tische waren mit je sechs Personen voll besetzt. Die
neuen Gäste begrüßten die an den Tisch gekommenen mit Handschlag,
und es hatte den Anschein, das sie einander nicht kannten.
Das Stehpult, so wie es für Reden und Vorträge oft eingesetzt wird,
war der zentrale Platz des Raumes. Es war aus massivem Eichenholz
und hatte Verzierungen am Rande, welche menschliche Köpfe
darstellten. Die Oberfläche des Pultes bildeten der Form nach
menschliche Hände ebenfalls aus Holz gearbeitet, in diese Hände
wurde das Manuskript des Redners gelegt. Seitlich war eine
zusätzliche Ablage angebracht.
Diese Ablage hatte die Maße eines DIN A 4 Blattes. Das Pult hatte eine feste Verbindung mit dem Boden und konnte weder verschoben noch entfernt werden. Die Wände waren mit Portraits von Kindern Frauen und Männern geschmückt, und über dem Eingang war in geschwungener Schrift zu lesen.
Erst wenn einer den anderen kennt, die wahre Flamme der Freundschaft brennt!
Und wie ich so in Gedanken versunken über die Redewendung nachdachte, hörte ich eine tiefe sonore Stimme die sagte:" Mein Freund sie sitzen auf meinem Platz." Erschrocken blickte ich auf. Es stand ein Mann vor mir und lachte mir ins Gesicht. Seine Augen hatten eine angeborene schiefe Lage, es war die traurige Schieflage der Augen die mir schon öfter aufgefallen war, doch so stark ausgeprägt hatte ich diesen Gesichtsausdruck noch nie gesehen. "Hier drüben ist noch ein Platz frei," meinte er, "das Gesprächsthema in dieser Runde ist ein Teil meines Lebens. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, bitte." Er zeigte mit der Hand zu dem Tische der Neuankömmlinge. Ich nickte und sagte während ich mich erhob: "Verstehe sie zahlen und zahlen und zahlen."
Also ging ich zum freien Tisch und fragte höflich ob es den Herrschaften recht wäre wenn ich mich dazu setzen würde. "Natürlich, keine Frage," sagte eine der Frauen am Tisch, "ist ein Stuhl nicht besetzt so ist er für jeden frei, egal ob Kind , Frau, oder Mann, alle müssen das Recht haben diesen Platz einzunehmen." Neugierig welches Thema an diesem Tische zur Diskussion stand setzte ich mich. Die zwei Frauen waren unterschiedlichen Alters, die eine etwa fünfundzwanzig, die schwarzhaarige schätzte ich auf fünfundvierzig. Sie waren unterschiedlich gekleidet. Die Blonde welche die jüngere war hatte einen sehr kurzen Rock, wirklich sehr kurz, - so kurz um die männlichen Sinne stark anzuregen. Weiblichkeit oberhalb des Bauches war ebenfalls üppig vorhanden. Sie hatte ein Glas vor sich stehen das halbvoll mit Sekt gefüllt war. Wie ich auch bemerkte trug sie einen Ehering, und als meine Blicke erotisiert um Ihre weiblichen Reize kreisten fing Sie an zu erzählen. "Wir Erwachsenen sind doch meistens ungerecht zu unseren Kindern. Den ganzen Tag arbeiten und wenn der Mann dann abends nach Hause kommt ist er oft gereizt und überarbeitet, wie soll er da noch den Draht zu seinen Kindern finden. Eigentlich, ist der Mann eine arme Kreatur, mir tut er leid, er verdient in den meisten Fällen die Kohle für die Familie, und hat doch am wenigsten von ihr." Der Mann welcher vom Nachbartische an den Tisch gekommen war fühlte sich nach meinen Empfindungen angesprochen und erwiderte mit einer weichen fast fraulichen Stimme: "Ja, da kann ich Euch ein Beispiel aus meinem Leben schildern. Es war vor ein paar Tagen als ich von der Arbeit nach Hause kam, es hatte an jenem Mittwoch etwas geschneit, die Straßen waren mit Eis überzogen, und die Autofahrt war lange und sehr anstrengend.
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