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Roman "Freudenhausen"

Kapitel 1
Einleitung

Es war einmal ein Mann der hatte einen großen Pickel am Hals, und jedes Mal wenn er diesen Pickel mit dem rechten Zeigefinger der rechten Hand berührte, geschah etwas sonderbares.
So war es, das dieser junge Mann am Frühstück saß, seinen Früchtetee trank, eine Brezel mit Butter bestrich, und die Zeitung las. Alles gleichzeitig, ja gleichzeitig, denn er hatte zuvor während er sich rasierte seinen großen Pickel mit dem rechten Zeigefinger der rechten Hand berührt. "Bin ich nicht ein schöner Mann, bin ich nicht ein schöner Mann," sagte er zu sich und nippte genüsslich an seiner Teetasse, nahm einen kräftigen Bissen von seiner mit dick Butter bestrichenen Brezel, und ärgerte sich über die neuen Arbeitslosenzahlen die an diesem Morgen in der Tageszeitung veröffentlicht wurden.

 Alles gleichzeitig, ja gleichzeitig.

Etwa zur selben Zeit ein paar Straßen entfernt machte sich Frau G. Herr Gedanken über Kinder die misshandelt werden, und auch über Schwangerschaftsabbruch, beides, so war ihre Meinung negative Wucherungen unserer Gesellschaft. Der besagte Mann war eine große stattliche Person, ziemlich genau zwei Meter und zwei Zentimeter groß. Er hatte Hände wie Bratpfannen und lange Finger die Pinzetten glichen. Diese stattlichen Dimensionen fielen auf wenn er einem entgegen kam, mit schnellem Schritt auf der Straße, im Kaufhaus, oder am Marktplatz. Natürlich auf dem Marktplatz in Freudenhausen.
Was, meinen Sie verehrter Leser Sie kennen diesen wichtigen Platz der Gesellschaft nicht, Freudenhausen ist euch kein Begriff. Diesen Umstand müssen wir berichtigen. Dieses Dorf, auch das Schwungrad der Nation genannt, ist nicht weit entfernt von einer bedeutenden Stadt in Deutschland, -jetzt alles klar auf der Andrea Doria.  -Wir bedankt uns bei Udo Lindenberg für das gleichnamige Lied,-  Ist der Groschen gefallen, dann sind wir beruhigt. Wichtige politische Erneuerungen standen im Jahre der Fliegenrevolte in Freudenhausen an. Und zwar wurde nach dieser bedeutenden Dekade die Einsicht gewonnen das Lalach, wie Freudenhausen gerne im Volksmund geheißen wird, auf einen Bürgermeister verzichten kann. Ebenfalls wurde das Oberhaupt der Dritten Säule im Staate für überflüßig erachtet, und das Wort Kaplan nur noch im Geschichtsunterricht der Schulen sowie bei historischen Rückblicken auf Lalach gewürdigt.

Freudenhausen ist ein Platz der Ruhe, der Zufriedenheit und der Zukunft.

 Freya, so heißt unsere, nicht zu knapp mit weiblichen Reizen ausgestattete Bekanntschaft aus Lalach. Freya sagte immer, wer mit uns lebt hat auch im Monat November Sonne im Herzen, egal ob die Tage kurz, und das Wetter bescheiden, naß und kalt ist. Ansonsten ist hier alles gleich wie überall auf Erden, die Menschen wohnen in Häusern, und baden oder duschen zwei bis fünf- mal die Woche, außer an Mittwoch. An diesem Tag darf nicht gebadet oder geduscht werden. Warum an diesem Tag nicht der Säuberung des Bodys nachgekommen werden darf werde ich euch später erzählen. Um dies zu verstehen ist es jetzt noch zu früh. In dieses Geheimnisse von Freudenhausen kann ich Euch erst einweihen wenn Ihr die Reife des Miteinanders verstanden habt. Ihr könnt mir glauben spätestens dann werdet Ihr es erfahren, ich gebe euch darauf mein Indianer Ehrenwort. Die meisten Einwohner von Lalach haben neben ihrem Jahreskalender, noch einen Mondkalender. Der Mond, so sagt Onkel Wessi, ist der Freund des schlauen Menschen, denn der Mond ist schon alt und der Beschützer unserer Erde. Mit dieser Meinung ist er in Freudenhausen nicht allein, laut einer Umfrage, welche im Jahr vor der letzten Sonnenfinsternis gemacht wurde, waren achtundachtzig Prozent aller Einwohner von Freudenhausen der gleichen Meinung. Auch ist es wohl bekannt, das an den Tagen vor Vollmond nicht so viel gegessen werden darf. An diesen Tagen schlägt die Nahrung sehr stark am Körper an, und so manche Kur zur Gewichtsreduzierung, hat durch dieses Wissen zum Erfolg geführt. Der Friseurtermin wird von manchen Einwohnern nach dem Mondkalender ausgesucht, wenn der Mond abnimmt ist die beste Zeit die Haare zu schneiden ,sie wachsen danach viel kräftiger nach, und die Haarspitzen brechen nicht so leicht aus.

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Onkel Wessi wohnt im Hasengrund dies ist im ruhigeren Teil des Dorfes, er hat sich vor fünf Jahren ein Holzhaus gebaut, er und seine Frau Wendi. Um das Haus ist ein großzügiger Garten mit vielen Blumen. Er findet alle Pflanzen die an die Sonne erinnern sind ein Muss im Garten . So sind jede Menge an Sonnenblumen zu finden die immer kreisförmig angeordnet sind. Das Bewässern des Gartens ist stets nach dem Mondkalender zu erledigen, sagt Onkel Wessi. Wenn der Mond zunimmt tut es den Pflanzen am besten gut. Während dieser Zeit steigt der Saft in den Stengeln besser auf, meint er.
Das Austauschen von Informationen ist ein wichtiger Zeitvertreib in Freudenhausen, zwischen jung und alt, auch Kind, Mann und Frau oder in der Nachbarschaft. Diese sinnvolle Beschäftigung wird hier schon seit Generationen bewusst gepflegt. Betritt eine Person ein Gasthaus, so wird sich diese immer zu einem schon anwesenden Gast setzen, und nie alleine an einen Tisch. Denn es bringt einem Menschen Unglück, wenn er über längere Zeit alleine an einem Tische sitzt. Darüber sind sich die Freudenhausener einig. Es sind angenehme Geräusche welche an diesem Ort der Freundschaft zu hören sind. Es kann schon mal recht lautstark werden, wenn sich zwei Parteien gebildet haben und es darum geht den Gegenüber zu überzeugen. Doch seit der Phase, der kritischen Weisheit, ist bei alledem noch nie Blut geflossen oder hat sich gar Hass breit gemacht.
Als ich das erste mal dieses Gasthaus betrat, - es war so um die Zeit da sich die Innere Revolution der Menschen vollzogen hatte, war mir sofort klar dies ist ein Platz der Zukunft. Dieses Ziel zu verfolgen, welches diese kleine Schar Menschen sich auf ihre Fahne geschrieben hatte, wollte ich mithelfen. Ein Thema das zu der Zeit heiß diskutiert wurde war die Trennung von Ehepaaren kurz Scheidung genannt. Egal ob Frau oder Mann jedes Geschlecht wollte die Hintergründe für dieses Phänomen kennen lernen, denn es waren immerhin über fünfzig Prozent der Verheirateten die sich zu der Zeit zu einer Scheidung entschieden. Über 50 Prozent welch eine dramatische Entwicklung.
Also so kam ich an einem 23.November in jenes Haus, und setzte mich ohne Nachzudenken an den erst besten Tisch, an dem schon fünf Personen waren. Sie nahmen keinerlei Notiz von mir denn sie waren interessiert in ein Gespräch vertieft. Ich hörte ihnen zu. Der Mann der mir gegenüber an der Stirnseite des Tisches weilte hatte das Wort und sagte nachdenklich:" Ja, - wenn zwei Menschen zwanzig Jahre zusammen leben, einen Hausstand gegründet, dazu noch Kinder haben, und sich nach dieser langen Zeit nichts mehr zu sagen haben außer den Worten, - lebe wohl, - ja, - kann man hier von Schuld oder Unschuld der Partner sprechen." Darauf entgegnete ein etwas angegrauter, ungefähr fünfundfünfzig Jahre alter Mann mit tiefer Stimme:" Wenn es zu einer Scheidung kommt, sind wir Männer immer die Dummen. Wir zahlen für die Kinder, und für die Frau. Ein Mann braucht viel Unterstützung um sich nach einer Scheidung eine neue Existenz aufzubauen. Deshalb bin ich der Meinung, einem Mann liegt nicht viel an einer Scheidung, es sei denn er hat den zweiten Wind gespürt und sich in eine attraktive Frau verliebt. In den meisten Fällen ist die Frau die treibende Kraft welche die Scheidung erzwingt, und der Mann zahlt und zahlt und zahlt." "Scheiß auf die Weiber!" brüllte ein dritter, hob sein Glas, stand von seinem Platz auf und ging in die Mitte des Raumes. Er fing an ein Lied zu singen.

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Wie war es damals vor langer Zeit,
sie wurde von einem Arbeiter gefreit.
Auch hat sie langes blondes Haar,
und fünf Kinder ne ganze Schar.
Das Geld war knapp, die Liebe groß,
er küsste sie zwischen ihre Lippen im Schoß.

Hey diddel dei, hey diddel dei,
ich hab sie geheiratet, bin nicht mehr frei.
Hey diddel dei, hey diddel dei,
ich hab sie geheiratet, bin nicht mehr frei.

Wie war es damals vor langer Zeit,
sie wurd von einem Doktore gefreit.
Auch hat sie kurzes schwarzes Haar,
und kein Kind, nicht eins für wahr.
Geld gab's reichlich, die Liebe klein,
er wollte nur eins, und das war Wein.

Hey diddel dum, hey diddel dum,
ich hab sie geheiratet, bin ich nicht dumm.
Hey diddel dum, hey diddel dum,
ich hab sie geheiratet, bin ich nicht dumm.

Während er dieses Lied sang klopfte er sich im Takte auf die Schenkel, sprang von einem auf das andere Bein, und bewegte sich in musikalischer Eleganz um das Stehpult welches zentral in der Mitte des Raumes stand.
Nachdem ich mich etwas an die neue Umgebung gewöhnt hatte sah ich mir den Raum etwas genauer an. In der Mitte des Raumes war ein freier Platz auf dem unser Sänger soeben sein Lied beendet hatte und wieder an seinen Platz kam. Um diesen freien Platz verteilt waren genau zehn Tische die alle exakt die selben Abmessungen hatten, und alle gleich gedeckt waren. Jeder Tisch hatte sechs Sitzplätze es waren 8 Tische besetzt. Der Tisch an dem ich mich aufhielt und weitere sechs waren voll besetzt, an einem Tisch waren acht Personen, zwei Sitzgelegenheiten waren zusätzlich an den Tisch gestellt worden. Es ging die Türe auf und ein Mann und eine Frau betraten den Raum, sie setzten sich an einen freien Tisch. Unmittelbar danach standen vom überbesetzten Tisch eine Frau und ein Mann auf nahmen ihren Stuhl und setzten sich zu den neuen Gästen dazu. So waren an dem neu besetzten Tisch vier Plätze belegt, die restlichen acht Tische waren mit je sechs Personen voll besetzt. Die neuen Gäste begrüßten die an den Tisch gekommenen mit Handschlag, und es hatte den Anschein, das sie einander nicht kannten.
Das Stehpult, so wie es für Reden und Vorträge oft eingesetzt wird, war der zentrale Platz des Raumes. Es war aus massivem Eichenholz und hatte Verzierungen am Rande, welche menschliche Köpfe darstellten. Die Oberfläche des Pultes bildeten der Form nach menschliche Hände ebenfalls aus Holz gearbeitet, in diese Hände wurde das Manuskript des Redners gelegt. Seitlich war eine zusätzliche Ablage angebracht.

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Diese Ablage hatte die Maße eines DIN A 4 Blattes. Das Pult hatte eine feste Verbindung mit dem Boden und konnte weder verschoben noch entfernt werden. Die Wände waren mit Portraits von Kindern Frauen und Männern geschmückt, und über dem Eingang war in geschwungener Schrift zu lesen.

Erst wenn einer den anderen kennt, die wahre Flamme der Freundschaft brennt!

Und wie ich so in Gedanken versunken über die Redewendung nachdachte, hörte ich eine tiefe sonore Stimme die sagte:" Mein Freund sie sitzen auf meinem Platz." Erschrocken blickte ich auf. Es stand ein Mann vor mir und lachte mir ins Gesicht. Seine Augen hatten eine angeborene schiefe Lage, es war die traurige Schieflage der Augen die mir schon öfter aufgefallen war, doch so stark ausgeprägt hatte ich diesen Gesichtsausdruck noch nie gesehen. "Hier drüben ist noch ein Platz frei," meinte er, "das Gesprächsthema in dieser Runde ist ein Teil meines Lebens. Wenn es Ihnen nichts ausmacht, bitte." Er zeigte mit der Hand zu dem Tische der Neuankömmlinge. Ich nickte und sagte während ich mich erhob: "Verstehe sie zahlen und zahlen und zahlen."

Also ging ich zum freien Tisch und fragte höflich ob es den Herrschaften recht wäre wenn ich mich dazu setzen würde. "Natürlich, keine Frage," sagte eine der Frauen am Tisch, "ist ein Stuhl nicht besetzt so ist er für jeden frei, egal ob Kind , Frau, oder Mann, alle müssen das Recht haben diesen Platz einzunehmen." Neugierig welches Thema an diesem Tische zur Diskussion stand setzte ich mich. Die zwei Frauen waren unterschiedlichen Alters, die eine etwa fünfundzwanzig, die schwarzhaarige schätzte ich auf fünfundvierzig. Sie waren unterschiedlich gekleidet. Die Blonde welche die jüngere war hatte einen sehr kurzen Rock, wirklich sehr kurz, - so kurz um die männlichen Sinne stark anzuregen. Weiblichkeit oberhalb des Bauches war ebenfalls üppig vorhanden. Sie hatte ein Glas vor sich stehen das halbvoll mit Sekt gefüllt war. Wie ich auch bemerkte trug sie einen Ehering, und als meine Blicke erotisiert um Ihre weiblichen Reize kreisten fing Sie an zu erzählen. "Wir Erwachsenen sind doch meistens ungerecht zu unseren Kindern. Den ganzen Tag arbeiten und wenn der Mann dann abends nach Hause kommt ist er oft gereizt und überarbeitet, wie soll er da noch den Draht zu seinen Kindern finden. Eigentlich, ist der Mann eine arme Kreatur, mir tut er leid, er verdient in den meisten Fällen die Kohle für die Familie, und hat doch am wenigsten von ihr." Der Mann welcher vom Nachbartische an den Tisch gekommen war fühlte sich nach meinen Empfindungen angesprochen und erwiderte mit einer weichen fast fraulichen Stimme: "Ja, da kann ich Euch ein Beispiel aus meinem Leben schildern. Es war vor ein paar Tagen als ich von der Arbeit nach Hause kam, es hatte an jenem Mittwoch etwas geschneit, die Straßen waren mit Eis überzogen, und die Autofahrt war lange und sehr anstrengend.

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Roger Waters

ehemals Pink Floyd