Ray Charles (*
23.
September 1930 als Raymond Charles Robinson in
Albany,
Georgia; †
10.
Juni
2004 in
Beverly Hills,
Kalifornien) war ein US-amerikanischer Musiker, dessen
Karriere mehr als 50 Jahre dauerte.
Ray Charles Robinson, in Armut zur
Zeit der
Rassentrennung aufwachsend,
erblindete im Alter von sieben Jahren an einem
Glaukom. Neun Monate bevor er erblindete, musste er mit
ansehen, wie sein Bruder ertrank. In einem Hinterhof in der Nähe der
Siedlung, in der er wohnte, lernte er Klavierspielen. Er besuchte
die St.-Augustin-Schule für Gehörlose und Blinde. Seine Mutter, die
ihn alleine großgezogen hatte, starb im Mai 1945, als Ray Charles 14
Jahre alt war.
Um ihn trotz seiner Blindheit
möglichst selbstständig zu machen, ermutigte die Mutter ihn, allein
durch die Kleinstadt zu gehen und sogar sein Fahrrad zu benutzen:
"Lass dich niemals zum Krüppel machen!", schärfte sie ihm ein. Im
Alter von sieben Jahren schickte sie ihren Sohn in eine staatliche
Blindenschule nach St. Augustine – dreihundert Kilometer von ihr
entfernt. In der Schule erhielt Ray Charles auch Klavierunterricht
und die Gelegenheit, das Spiel auf der Klarinette und dem
Altsaxophon zu erlernen.
Nach dem Tod seiner Mutter im Mai 1945 verließ Ray Charles die
Schule und zog zu Bekannten nach Jacksonville, Florida.
Außerdem sind die
Vierziger Jahre die Zeit des
Bebop und das damit
einhergehende Virtuosentum lässt es nicht zu, dass ein junger
Bursche sich nur mit ein paar Blueschanges über Wasser hält. Doch er
versucht nicht nur sein Klavierspiel zu verbessern, immer wichtiger
wird für ihn sein Gesang.
In dieser Phase bemüht er
sich seine Idole Nat Cole und Charles Brown möglichst gut zu
imitieren. Nach einiger Zeit bekommt er die ersten Aushilfsjobs
angeboten. In verschiedenen Big Bands oder Combos darf er mitmachen
und sogar ein paar Lieder singen. Nach einem Jahr will RC noch mehr
Unabhängigkeit, da er ja noch bei Bekannten wohnte. Er geht nach
Orlando. Dort kennt er niemanden mehr und muss vollständig für sich
selber sorgen.
Ray Charles begann als Musiker in Florida zu arbeiten und zog 1947 nach Seattle. Er nahm seine erste Schallplatte Baby, Let Me Hold Your Hand 1951 beim Label Swingtime auf. Seine frühen Aufnahmen waren Rhythm and Blues und ahmten Charles Brown und Nat King Cole nach. Charles ging mit Lowell Fulson auf Tournee und spielte mit Guitar Slim und Ruth Brown.
1950 siedelt Ray Charles nach Los Angeles über. Sein Trio nimmt zwar
bei Swingtime noch ein paar Stücke auf, doch in L.A. bekommen sie
keine Auftrittsmöglichkeiten, so dass sie die Band auflösen. Er
selbst erhält zum ersten Mal bei einem großen Musiker ein
Arrangement. In der Bluesband von Lowell Fulson ist er Gaststars,
bei dem er seinen ersten Hit zum Besten geben darf.
1954 hat Ray Charles die Nase voll, immer mit wechselnden Bands zu
spielen. Die Musiker fabrizieren ihm zu viele Fehler. So beginnt er
sich seine eigene siebenköpfige Combo zusammen zu stellen. Dies ist
vielleicht der entscheidende Schritt, der es Ray ermöglicht, das zu
schaffen, was man später als
Soul bezeichnet. In der
Umgebung seiner eingespielten Band traut er sich, alles
auszuprobieren und zu vermischen, was sein musikalischer Hintergrund
darstellt:
Blues,
Rhythm'n'Blues und Gospel.
Erst bei
Atlantic Records (1952-1959) wurde seine Musik in
mehrfacher Weise (Gesang, Instrumentalstil, Komposition,
Arrangement) unverwechselbar, da er
Gopspel- und Jazzeinflüsse betonte. Mit
der Verbindung von Rhythm and Blues und Gospel wurde Charles zu
einem der wichtigsten Wegbereiter und Musiker des Soul.
1959 bei einer Session während einer Zugabe entsteht "What'd I Say".
Vielleicht das bekannteste Stück von RC. In ihm tritt die Verbindung
von R'n'B und Gospel sehr deutlich hervor. Das Stück übernimmt mit
seinem Call-and-Response direkt die Kommunikationsform zwischen
Prediger und Kirchengemeinde. Das Lied wird ein Riesenhit und
verkauft sich an Schwarze und Weiße.
Sein erster Erfolg dieser Art war Mess Around, das auf
C.C. Davenports Cow Cow Blues zurückgeht und
dessen Text auf dem Boogie-Klassiker Pinetop's Boogie Woogie
(1929) von
Clarence Smith basiert.
Es
folgten It Should Have Been Me, I've Got a Woman
(1955), This Little Girl of Mine, Drown In My Own Tears,
Hallelujah I Love Her So und Lonely Avenue.
Er nimmt alte Kirchenlieder der Schwarzen, auf die es kein Copyright
gibt und unterlegt sie mit einem harten R'n'B-Groove. Der erste
große Hit ist "I Got A Women". Es gibt zwar einige Kirchenvertreter,
die sich aufregen, RC würde die geistliche Musik entweihen, da sie
nun zum Tanzen verwendet wird. Doch aufhalten können sie den Erfolg
nicht. Der zweite stilistische Coup ist, die Raeletts, einen
weiblichen Backgroundchor, in seine Band zu integrieren. Die Folge
ist ein starker Kontrast zwischen dem rauen, männlichen Lead-Gesang
und dem Chor. Das gibt es damals noch nicht, die Sänger sind sonst
ausschließlich männlich.
Während Charles die Hitparaden stürmte, verfiel er dem
Heroin, das
seine Karriere mehrmals an kritische Punkte brachte. 1965 wurde er
wegen Heroinbesitzes zu fünf Jahren auf Bewährung verurteilt und
machte einen Entzug. Ende der 1970er Jahre unterzog sich Ray Charles
erneut einer Entziehungskur und lebte seitdem ohne Drogen.
Nach seinem Auftritt auf dem
Newport Jazz
Festival 1958 wuchs sein
Erfolg mit Night Time Is the Right Time und insbesondere mit
der Eigenkomposition What´d I say, die sich vor allem durch die
Verknüpfung von Elementen des Gospel mit solchen des Rhythm and
Blues auszeichnet. Diese Phase seiner Karriere ist auf dem
Live-Album Ray Charles in Person (1958) zusammengefasst. Hier
ist auch der erste öffentliche Auftritt von What'd I Say
aufgezeichnet, später produzierte er davon eine Studioversion.
Charles machte Aufnahmen mit großen Orchestern und Jazzkünstlern wie
Milt Jackson sowie mit
Country-Musikern wie
Hank Snow ( I'm Movin' On). 1959 wechselte er zu
ABC Records, wo vor allem Popmusikelemente in seine Musik
flossen und Songs wie Unchain My Heart und Hit the Road,
Jack entstanden. Für die Backing Vocals formierte Charles die
Girlgroup
The Raelettes, die seine Karriere bis in die
70er Jahre begleitete.
1964 geht es RC finanziell sehr gut. Er hat sich ein eigenes Haus
gebaut, in dem sich sein Studio und seine Plattenfirma befindet. Zu
den Auftritten fliegt er mittlerweile mit dem eigenen Flugzeug. Doch
dann findet die Drogenfahndung bei ihm eine größere Menge Heroin. Um
den sozialen Abstieg zu verhindern, nicht ins Gefängnis zu müssen
und auf Rücksicht auf seine Familie beginnt er mit dem Entzug in
einer psychiatrischen Klinik.
1962 veröffentlichte Charles das Album Modern Sounds in Country
and Western Music, das er bei ABC aufgenommen hatte.
Diesem folgten Hits wie You Are My Sunshine, Crying Time,
Busted und Take These Chains From My Heart.
Anschließend produzierte
er 1966
Ashford & Simpsons Lets Go Get Stoned.
In den 1960er Jahren konzentrierte Charles sich auf Liveauftritte,
und seine Version von
Georgia on My Mind, ein Song
Hoagy Carmichaels, eigentlich für ein Mädchen namens
Georgia geschrieben, wurde ein Hit und 1979 zur Hymne des US-Staates
Georgia. Weiteren Erfolg hatte er mit seiner Version von America
the Beautiful. Auch weiterhin blieb Charles ein beliebter
Duettpartner, so sang er unter anderem mit
George Jones und
Hank Williams Jr..
Den auch finanziell erfolgreichsten schwarzen Entertainer seiner
Generation nennen unzählige Popmusiker als wichtigen Einfluss.
Er zählt zur
Rock and Roll
Hall of Fame
und ist Mitglied der
Blues Hall of Fame, der
Songwriters
Hall of Fame,
der
Grammy Hall of Fame, der
Jazz Hall of Fame, der
Georgia Music
Hall of Fame
und der
Florida Artists Hall of Fame.
1998 erhielt er den begehrten
Polar Music Prize. Am 8. Oktober 2004 findet ihm zu Ehren
im Staples Center in Los Angeles ein Tribute-Konzert vor 8.000
geladenen Gästen statt.
Mary J. Blige,
Elton John,
Usher,
Stevie Wonder,
Norah Jones,
Jamie Cullum,
B.B. King und
Al Green verbeugen sich vor dem 'Godfather
Of Soul', indem sie zwölf seiner größten Songs interpretieren. Die
Show wird u.a. moderiert von Quincy Jones, Tom Cruise, Morgan
Freeman und Jamie Foxx. Nach seinem Tod wurde ihm 2005 die
Grammy-Award-Show gewidmet.
Jamie Foxx spielt die Hauptrolle in Ray Charles filmischer Biografie
"Ray", die im Januar 2005 bundesweit in die Lichtspieltheater kommt.
Zeitgleich zum Kinostart veröffentlicht Universal Pictures den
Konzertmitschnitt auf der DVD "Genius:
A Night For Ray Charles". Im selben Jahr erscheint auch
der "Genius
Loves Company"-Nachfolger "Genius & Friends". Ray Charles
erfüllt sich damit posthum den Wunsch, seine Duo-Aufnahmen aus den
späten 90ern als Compilation zu veröffentlichen.
In der Rassenproblematik, die in den sechziger Jahren die
gesellschaftliche Diskussion in den USA beherrscht, kämpft Charles
nicht in vorderster Front. Doch er hat eine feste Meinung,
schließlich ist er im Süden groß geworden, wo es getrennte Busse,
öffentliche Toiletten und Lokale gibt und die Polizisten einen
Schwarzen verhaften und zusammen schlagen, nur weil ihnen seine
Frisur nicht passt. So duldet er
bei seinen Konzerten keine Trennung zwischen schwarzen und weißen
Publikum, was ihm einmal ein Prozess beschert. Vor Martin Luther
King hat er großen Respekt und unterstützt ihn immer wieder mit
finanziellen Mitteln. In den siebziger Jahren ist RC weiter
permanent in der ganzen Welt auf Tournee. Seine musikalische
Bandbreite verbreitert sich dadurch weiter.
Charles war zweimal verheiratet:
zunächst mit Eileen Williams (1951–1952), später mit Della Beatrice
Howard (1955–1977), mit der er drei Kinder hatte. Außerdem hatte er
einige Beziehungen während und nach seinen Ehen, aus denen neun
weitere Kinder hervorgingen.
[1][2]
Seine Langzeitfreundin zum Zeitpunkt seines Todes war Norma Pinella.
Die Alben der Trilogie "My Kind Of
Jazz" entstanden zwischen 1970 und 1975 und sollten ein Feature für
die Musiker von Ray Charles' damaligem Orchester sein, das seine
Konzerte in der Regel mit einigen fetzigen Jazzinstrumentals
eröffnete. Unter den Solisten befinden sich u. a. die Trompeter
Bobby Bryant, Blue Mitchell und Johnny Coles, Posaunist Glen
Childress, die Saxophonisten Andy Ennis, Albert McQueen, Clifford
Scott, James Clay, Leroy Cooper und Clifford Solomon sowie der
Gitarrist Ben Martin. Einige Arrangements stammen von Alf Clausen,
Teddy Edwards, Jimmy Heath und Roger Neumann. Und das Repertoire
umfasst neben Jazzstandards von Lee Morgan, Horace Silver, Duke
Ellington, Thad Jones, Jimmy Heath und Benny Golson auch
Ray-Charles-Kompositionen wie "Booty-Butt".
Die achtziger Jahre sind die Zeit der
Ehrungen. Er bekommt den Grammy Life Time Music Award, seine Version
von "Georgia On My Mind" wird zur Nationalhymne von Georgia erklärt,
1986 wird er im Kennedy Center von Reagan ausgezeichnet und bei "We
Are The World" (Der Wohltätigkeitssong) singt er den
Abschluss-Chorus, um nur eine Auswahl zu nennen. Die Neunziger sind in der Wahrnehmung des Publikums durch die
Pepsiwerbung geprägt, für die Ray Charles sich einspannen lässt. "You
Have Got The Right One, Baby" heißt das Stück für die Getränkefirma.
Nebenher steht Brother Ray weiterhin auf der Bühne und unterhält die
Leute. Nicht nur seine enormen Fähigkeiten als Entertainer
beeindrucken dabei, sondern auch seine seit einigen Jahren
vorhandene Vorliebe für bunte Jacketts.
Der Wert seiner Hinterlassenschaft
wird auf 75 Millionen Dollar geschätzt (Süddeutsche Zeitung, 23.
April 2008). Darum streiten sich die Kinder und sein langjähriger
Manager Joe Adams.
Quellen: jazzecho.de, wikipedia, laut.de











